Mit Vollgas gegen die Wand

Immer wieder liest man oder hört man von selbsternannten Weltrettern, ‚dass man per Regierung durchsetzen müsse, dass die Industrie nur noch sinnvolle Sachen mit Erdöl produzieren dürfe‘ oder ‚die Menschheit sich endlich beschränken solle, damit nachfolgende Generationen auch noch genügend fossile Energieträger haben‘.

Das hieße, man sollte ausschließlich Sachen herstellen, die einen praktischen Nutzen für die Menschheit haben, und weniger dem Zeitvertreib dienen.

Diese Annahme mag auf den ersten Blick als sinnvoll erscheinen, und ich möchte diesen Menschen eine durchaus ehrenvolle Absicht unterstellen, insbesondere wenn wir auf ein Peak-Oil-Szenario zusteuern.

Dennoch ist diese Annahme, dass so etwas in unserem Wirtschaftssystem möglich wäre, falsch.

 

Den Verbrauch und die Herstellung von Gütern in einem „Sinnvoll-Sinnlos“-Katalog aufzulisten und zu reglementieren, hieße, in eine 100%ige Planwirtschaft abzugleiten: Schrauben und Bolzen dürfen nur für Traktoren hergestellt werden, aber nicht mehr für Ferraris. Es dürfen keine Breitreifen und Alufelgen hergestellt werden, allerdings Düngemittel, Medikamente und Taschenmesser, usw.

Planwirtschaften funktionieren jedoch nie, nur in einer perfekten Welt, die es nicht gibt. Deswegen brechen Planwirtschaften auch früher zusammen als kapitalistisch orientierte Wirtschaftssysteme.

Eine »halbwegs freie« Wirtschaft in eine Planwirtschaft umzuwandeln, würde automatisch den Tod einer solchen bedeuten. Nur eine kapitalistisch angetriebene Wirtschaft kann neue Fördertechniken zur Ausbeutung des immer schwieriger zu fördernden Öls entwickeln. Der Schwenk in eine Planwirtschaft würde diese Entwicklung automatisch abwürgen und den sofortigen Kollaps herbeiführen, den man ja gerade zu vermeiden versucht…

Die Menschen in den westlichen Ländern (und woanders wahrscheinlich auch) sind bereit, für einen Haufen nutzlosen Schwachsinn ihr Geld auszugeben. Dieses Geldausgeben trägt zur Wirtschaftsleistung bei, was wiederum dafür sorgt, das neue Öllagerstätten exploriert und mit neuester Technik ausgebeutet werden kann. Versiegt dieser Geldstrom – weil bspw. alle Menschen den Konsum von unnützen Dingen einstellen würden, und fortan ’sinnvollen Tätigkeiten‘1 nachgehen – so würde die Wirtschaftsleistung einbrechen.  Ölfelder würden geschlossen werden, es gäbe keine finanziellen Mittel zur Entwicklung neuer Fördertechniken, die Nachfrage nach Erdöl würde global sinken, dadurch gäbe es noch weniger Anreiz zur Suche nach neuen Lagerstätten usw. Eine deflationäre Abwärtsspirale würde in Gang gesetzt, aus der kein entkommen wäre. Das Ende wäre sofort besiegelt, während man jetzt einfach auf Zeit spielt und auf die »Rettung in letzter Minute« hofft.

Das Fazit lautet daher: man kann nur so weitermachen wie bisher, und muss auch akzeptieren, dass trotz schwindender Ölreserven weiterhin Motorsportrennen abgehalten werden und eine Menge sinnloser Kunststoffgegenstände produziert werden die keinen praktischen Nutzen zum Überleben der Menschheit beitragen. Ob wir persönlich dieses Verhalten für klug oder unklug halten spielt eine untergeordnete Rolle. Der Eigendynamik des Systems kann sich nichts entgegenstellen – die Dinge passieren so, wie sie passieren müssen, weil es eine Zwangsläufigkeit bei allen Handlungen der Teilnehmer gibt.

Trotz eines Peak-Oil-Szenarios werden wir sehen, dass diese globale Zivilisation mit Vollgas an die Wand fahren wird. Die Mehrheit der Menschen wird nicht anfangen, jetzt plötzlich Erdöl zu sparen, ihren Konsum einzuschränken und ab jetzt nicht mehr nach Thailand in den Urlaub zu fliegen. Es werden nicht Bücher über landwirtschaftliche Selbstversorgung gekauft und gelesen, sondern die Gala und die Bunte. Ihr wisst, was ich meine. Und selbst WENN es sich herumsprechen würde, dass das Öl ausginge – dann würde man die Musik nochmal lauter drehen und bis zum Untergang feiern…

Um ein Bild zu bemühen: Man kann diesen Zug nicht mehr bremsen oder ausrollen lassen. Es ist ein Zug, der durch eine Waldbrandzone fährt. Würde man anhalten, so würde die Flammenhölle alle Passagiere unweigerlich bei lebendigem Leibe verkokeln – ein langsamer, qualvoller Tod für alle. Der Zugführer weiß aber gleichzeitig, dass die Strecke eine Sackgasse ist, an deren Ende eine Felswand lauert. Was also tun? Abbremsen, und 100% der Passagiere sofort opfern, oder Vollgas weiterfahren, auf ein Wunder hoffen, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Felswand zerschellen?

Es liegt natürlich auch im Bereich des möglichen, dass nach der Fahrt durch die Flammenhölle das Paradies wartet, und zwischenzeitlich irgendein Wunder einen Weg durch den Fels geschaffen hat. Oder ein Regenguss das Feuer löscht und alle wohlbehalten aus dem Zug aussteigen können. Aber es war noch nie mein Fall, mich billigen Illusionen hinzugeben. An Selbstbeschiss fand ich nie wirklich Gefallen.


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Fußnoten:

  1. Wie immer man auch sinnvoll definiert – für einen Motorsportfan ist die DTM natürlich extrem sinnvoll, für einen Biobauer nicht, usw.

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