Kooperation in Krisenzeiten

Wie man im aktuellen Fall des Erdbebens von Mexico-City sieht, entstehen nach einer Katastrophe nicht sofort Gewaltasubrüche, Plünderungen und Chaos. Die Bevölkerung hilft beim Räumen von Schuttbergen, versorgt die Helfer mit Essens- und Wasserspenden und man unterstützt die Behörden soweit man kann. Was natürlich auch damit zusammenhängen dürfte, dass man als Bürger selbst betroffen ist, und man so das Leid der anderen besser nachvollziehen kann.

All dies funktioniert aber nur solange, wenn es sich nur um lokale Ereignisse handelt, die den überwiegenden Teil des restlichen Versorgungssystems nicht beeinflussen. Solange genügend Energie fließt, Geld vorhanden ist, menschliche und technische Ressourcen für den Aufbau mobilisiert werden können, wird man helfen. Das ist der oft beschworene Zusammenhalt, und der »Beweis« für das Gute im Mensch.

Wir können dies auch bei den aktuellen Hurrikan-Schäden erkennen: solange Hoffnung besteht, dass es einen Wiederaufbau gibt, finanzielle Hilfen fließen und alles danach so weiter gehen wird wie bisher, wird man keine größeren gesellschaftlichen Probleme oder einen Rückfall in »Warlord«-Szenarien sehen. Man hilft sich gegenseitig, bis von außen Hilfe eintrifft und die Dinge nach einem Jahr wieder ihren gewohnten Gang gehen.

Kritisch wird es erst dann, wenn systemische Probleme großflächig zuschlagen:

 

z.B. durch das Ausbleiben von Öl oder einen landesweiten Ausfall der Stromversorgung. Oder ein globaler Temperatursturz mit globalen Ernteausfällen, ausgelöst durch einen Supervulkan wie einst Thera auf Santorin, den Tambora oder einen Yellowstone-Ausbruch. Sollte es also zu einen Kataklysmus kommen, so wird die Kooperation zwischen Menschen schnell enden, zumindest auf größeren Ebenen. Insbesondere wenn verschärfende Faktoren wie das Ausbleiben von Nahrungsmitteln hinzutreten. Und wenn die Krise lange genug dauert, und durch den Zusammenbruch von Mobilfunk- und Stromnetz Informationen über die Gesamtlage fehlen, dann wird die Kooperation bei dieser Menge an Menschen nicht mehr funktionieren.

Hilfe funktioniert nur solange, wie nicht auch die Helfer selbst der Hilfe bedürfen. Wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, dann werden wir sehen, in wie weit sich noch Kooperationen zwischen Menschen zum Wohle aller bilden.

 

Der Tod der Hoffnung als Sargnagel für Kooperation

Mit Hoffnung auf bessere Zeiten kann man große Menschenmassen zufriedenstellen. Man muss nur ein Minimum an Obdach, Nahrungsmitteln und Medikamenten verteilen – aber die Hoffnung auf ein besseres Leben oder die schnelle Reparatur der Infrastruktur muss mit vollen Händen verteilt werden. Menschen ohne Hoffnung auf bessere Zeiten sind gefährlich. Man muss die Menschen deshalb mit Hoffnung überschütten, wenn man sie ruhigstellen will. Und massenmedial kann man sie nur damit zuschütten, wenn man die nötigen Ressourcen dazu hat.1

Wenn es nun zu einer weltumspannenden Krise kommt, sei es durch klimatische Rückschläge, einer Seuche, das Ausbleiben des leicht förderbaren Erdöls, eine Kettenreaktion durch komplexe, globale Vernetzung aller Lebensbereiche: dann wird kein Land mehr dem anderen helfen können. Dann wird niemand mehr so helfen können, dass alle nach zwei Jahren denken, es sei gar nichts passiert. Dann kommt niemand mehr, der Hochspannungsleitungen repariert, neue Elektrizitätswerke errichtet oder Tankstellen wieder eröffnet. Von nirgendwo her kommen Nahrungsmittel, Medikamente und sauberes Wasser.

 

Nach dem Kollaps…

…hat das bisher gekannte Leben ein jähes Ende. Und das wird auch der Tod der Hoffnung auf eine Besserung der Lage sein. Und dann werden 20 Millionen Menschen in Mexico-City nicht mehr kooperieren und sich gegenseitig mit Wasserflaschen und Essenspaketen beschenken und das live bei Twitter posten. Sondern sie werden ihr Messer zücken und sich als Menschenstrom auf der Suche nach Nahrungsmitteln und Energie sengend und brennend über das Umland ergießen.

Kooperation funktioniert nur unter sonst stabilen Verhältnissen, bei Inselereignissen, und mit einem globalen technischen Apparat im Rücken der durch den permanenten Energiefluss gespeist wird. Wenn dieses System kollabiert, dann werden sich unweigerlich Kooperationen unter einigen Menschen bilden.2 Aber diese Kooperationen haben dann nicht unbedingt im Sinn, der Welt Heil und Segen zu bringen. Dessen könnt ihr euch sicher sein.

 


 

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Fußnoten:

  1. Religiöse Hoffnungen werden deshalb (da sie kostenlos sind) gerne reichlich verteilt: Hoffnung auf Belohnung nach dem Tod für gutes Verhalten, das Wiedergutmachen allen Leidens (Jesus kommt als Richter hernieder und die Bösen werden abgestraft, harhar, endlich, mögen sie ewig leiden!), man landet im Himmel mit Jungfrauen, usw.
  2. Wenn, dann wird dies nur bei einer Größenordnung von maximal 100-150 Personen stattfinden.

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