Treibstoffknappheit

Ich vermute, die meisten Menschen haben gar nicht erfasst, welches Szenario mit einer neuen Kaltzeit auf uns zukommen könnte. Das Hauptproblem der solaren Minimumzeiten ist nicht nur, dass die Winter länger und härter werden. Diesem könnte man leicht mit mehr Brennstoffvorrat begegnen und Lebensmittelvorräten. Das müsst ihr sowieso tun, wenn ihr durch diese Zeiten kommen wollt. Und zwar heute schon, weil sich jede Minimumphase bereits mit einer Klimaveränderung einige Jahre im voraus ankündigte. Wir sollten also in den kommenden Jahren deutlich härtere Winter erwarten. Sorgt dementsprechend vor.

Und zwar bitte mit einer krisensicheren Heizmöglichkeit, wie mit einem Holzofen. Die beste Möglichkeit ist natürlich die komplette Umstellung auf einen Holzherd und reichlich Heizmaterial. Ein paar Flaschen Flüssiggas und eine Campingkochplatte wären sicher auch nicht verkehrt.

Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus.

Betrachten wir doch mal die Anfälligkeit der Treibstoffversorgung im solaren Minimum:

Viele Menschen würden behaupten, wenn ich sie auf eine neue Eiszeit hinweise, dass man diese ja nicht mehr mit den Kaltzeiten des 17. oder 15. Jahrhunderts vergleichen könne. Wir haben ja jetzt Landmaschinen, die heute in einer Stunde das verrichten, was früher 12 Mann einen ganzen Tag machen mussten. Und außerdem hätten wir ja Pflanzenschutzmittel und ertragreiche Sorten – keine Sorge also vor der Hungersnot, wir schaffen das!

Diese Sorglosigkeit könnte sich bitter rächen. Die gesamte Landwirtschaft hängt am Tropf der Erdölindustrie. Diese Industrie ist gerade mal 130 Jahre oder so alt, sie hat in klimatisch besten Zeiten ihr weltumspannendes Netz errichtet. Bis auf geringe Störungen arbeitet alles wunderbar in einem riesigen Apparat zusammen. Von der Rohölförderung, seinen Transport in Pipelines und Tankschiffen, der Aufbereitung in Raffinerien, die Weiterverarbeitung zu petrochemischen Produkten (Pflanzenschutzmittel, Düngemittel), und bis zur Verteilung in einem Tankstellennetz. All dies ist fein aufeinander abgestimmt und läuft wie geschmiert.

Kommt es zu unerwarteten Störungen, so ist diese Kette unterbrochen, und all unsere modernen Maschinen stehen still. Wir können dann weder Felder pflügen, noch Saatgut ausbringen, nichts düngen und nichts ernten – wenn die Störung länger anhält. Und dann sitzen wir in exakt der gleichen Falle wie die Menschen des 15. Jahrhunderts: wir können keine Nahrungsmittel anbauen und die Bevölkerung hat sich aufgrund des Klimaoptimums der letzten 150 Jahre verzehnfacht. Es folgt: der Hunger. Weil alle anderen Nationen das gleiche durchmachen, und niemand humanitäre Hilfe leisten wird.

In solaren Minimumzeiten kommt es – wie wir hier in diesem Blog zeigen – zu einer Kaskade an störenden Einflüssen und einer Häufung von extremen Wetterlagen.

 

1. Erdbeben. Was passiert mit Öl- und Gas-Pipelines bei starken Erdbeben? Die Reparatur kann längere Zeit in Anspruch nehmen, kann wegen unwirtlichen Verhältnissen vielleicht nicht schnell genug erfolgen (erst im Frühjahr nach der Schneeschmelze bspw.). Besonders in Fracking-Gebieten der USA ist heute schon mit erhöhter Erdbebengefahr zu rechnen. Inwieweit wird noch ein großes solares Minimum noch etwas draufpacken? Die BTC-Pipeline liegt in einem Erdbebengebiet in der Türkei. Das gleiche gilt für Gas-Pipelines. Und Raffinerien.

2. Fluten. Inwieweit sind Raffinerien gegen Hochwasserereignisse (langandauernder Starkregen oder Fluthochwasser) geschützt? Raffinerien liegen oft an Flüssen oder an der Küste. Hier habt ihr eine Übersichtskarte der deutschen Raffinerien mit Adresse. Recherchiert! Neben der möglichen Verseuchung von Grund- und Oberflächenwasser sollte man auch mit einem längeren Ausfall durch vorsorgliche Stilllegung rechnen.

3. Eis und Kälte. Im Spörer-Minimum froren alle Flüsse und Seen Europas zu. Da gibt es für längere Zeit keine Binnenschifferei mehr auf den Flüssen. Dieses Szenario kann sich jederzeit wiederholen, es braucht nur einen Vulkanausbruch, dieser kann morgen bereits losgehen, niemand kann das abschätzen. Tanklastzüge fahren auch nur, wenn die Straßen geräumt sind. Und geräumt können sie nur (wenn überhaupt) werden, wenn es Treibstoff gibt. Zumindestens »unwichtige« Gebiete könnten dann unter einem längerem Engpass leiden. Treibstoff gibt es dann nur für Krankenhäuser, Atomkraftwerke und das Militär. Und für die Hubschrauber der Politiker natürlich.

4. Stromausfälle. Die Verteilung von Treibstoffen hängt von einer funktionierenden Stromversorgung ab (und heute wahrscheinlich auch von einer funktionierenden Internetverbindung). In diesen Zeiten müssen wir aber mit häufigen und langen Stromausfällen rechnen. Inwiefern ist von der Förderung bis zum fertigen Liter Benzin an der Tankstelle wohl Mikroelektronik involviert? Wahrscheinlich alles vernetzt, heutzutage. Die Störungen werden sich also in einer Art Kettenreaktion fortpflanzen.

5. Stürme. In allen solaren Minimumzeiten sahen wir starke Stürme und Sturmfluten. Öltankern wird dies nicht gut bekommen. Sie können vielleicht wochenlang nicht anlegen, oder zerbersten vielleicht im Ärmelkanal. Oder laufen auf Grund, manovrierunfähig. Oder andere Containerschiffe versperren Meeresengen für viele Tage.

6. Bevölkerung. Weit unterschätzter Krisenfaktor bei allen diesen Planspielen ist die Bevölkerung. Wird sie sich diszlipiniert Verhalten, oder beim Versuch an Treibstoffe zu kommen die Infrastruktur noch weiter beschädigen?

7. Verschiedene Krisenherde. Was passiert im Zuge der Klimaabkühlung in anderen Ländern, politisch? Wird man Gaslieferungen machtpolitisch einsetzen? Gibt es vielleicht Unruheherde, die man heute noch nicht einschätzen kann? Was macht das Finanzsystem in diesen Zeiten?

 

In Deutschland werden übrigens pro Tag ca. 380 Millionen Liter Erdöl verbraucht. Pro Tag!

Wieviel Menschen hängen wohl daran, an einer Heizung mit Erdöl? Wieviele heizen mit Gas?

Die Verbrauchswerte werden sich über das Winterhalbjahr verdoppeln im Vergleich zu heute. Ist dies eingeplant? Man sollte deshalb auch mit extrem ansteigenden Treibstoffkosten rechnen, und dies einplanen. Füllt eure Lager besser auf, wenn ihr durch den Winter kommen wollt.

Die Reserven des Staates werden wir jedenfalls nie direkt zu Gesicht bekommen, die ist dann für wichtigeres reserviert, als für euren Rasenmäher und eure Kawasaki.

Auf Rationierungen könnt ihr euch auf jeden Fall einstellen.

Zwischen Totalkollaps und einer Woche ohne Benzin ist jegliches Szenario vorstellbar.

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