Einen Wiederaufbau wird es nicht mehr geben

Viele die sich mit dem Thema Krisenvorbereitung auseinandersetzen, tun das, um kurzfristige Störungen der eigenen Komfortzone überbrücken zu können: man rechnet mit ein paar Tagen Stromausfall, vielleicht einem Krieg oder einem Finanzcrash. Um diese harte Zeit von 10 Tagen bis 6 Monaten zu überstehen, werden Nahrungsmittel, Gold- und Silbermünzen und sonstige nützliche und weniger nützliche Ausrüstungsgegenstände eingelagert.

Das ist alles hat seine volle Berechtigung. Lieber eine kleine Krisenvorsorge als keine.

Aber ich vermute, dass die meisten, die sich so verhalten, in irgendeiner Weise mit einem Wiederaufbau der Gesellschaft nach dem Crash rechnen. Man unterliegt der Illusion, dass man nach ein paar Monaten wieder mit Autos umherfährt, Stromleitungen wieder gezogen werden und schon bald wieder E-Mails verschickt werden können. Das Militär und das THW werden alles wieder aufbauen, schon bald können wir wieder Neuwahlen abhalten… oder »nach dem Kollaps kommen die Russen, und retten uns Europäer vor Merkel«. Einen solchen Unfug lese ich mindestens dreimal am Tag in irgendwelchen Kommentaren.

Ich konnte dieser Sicht auf die Dinge noch nie etwas abgewinnen. Aber ich rechne eben nicht nur mit einer Woche Stromausfall oder einem Euro-Crash. Der Unterschied: Ich halte einen globalen Totalkollaps der bestehenden Infrastruktur in den kommenden Jahren für möglich. In meinen Augen ist es ein Trugschluss, bei einem Totalschaden dieses Systems jemals wieder einen Wiederaufbau zu erwarten:

 

 

  • Diese Zivilisation konnte nur aufgebaut werden, weil es einen Energieüberschuss an leicht erntbaren fossilen Rohstoffen gab. Diese Rohstoffe – hauptsächlich das Öl – können nur in einem hochkomplexen, vernetzten System gefördert und gewonnen werden. Kollabiert dieses System, ist für lange, lange Zeit Schluss mit Erdölprodukten und Individualverkehr. Die leicht förderbaren Rohstoffe sind auf globaler Ebene verbraucht: Früher bohrte man ein Loch in die Erde und das Erdöl sprudelte hinaus. Man setzte den Spaten an, und hielt die ersten Brocken Steinkohle in der Hand. All diese Dinge sind weg. Verbrannt. Man müsste zunächst – um wieder an diese Reserven zu gelangen – ein komplexes System aufziehen, was wiederum nur mit dem Einsatz von leicht erhältlichen Ressourcen geschehen kann. Man kommt nicht an die Energieträger, weil man kein systemisches Umfeld mehr dazu hat. Und man kann kein komplexes, vernetztes System mehr aufbauen, weil die Energie dazu fehlt. Dieses System bedingt sich gegenseitig, es steht und fällt gemeinsam.
  • Einen Aufbau einer technischen Zivilisation wird es nach einem Systemkollaps nicht mehr geben. Binnen kürze wird in solch einem Szenario eine Infrastruktur zerstört werden, deren Errichtung und Instandhaltung sich über die letzten 150 Jahre hingezogen hat. Dieses System lediglich am Laufen zu erhalten, erfordert viel Energie, viel Fachwissen und eine globale Vernetzung. Die Zerstörung dieser Infrastruktur ist in wenigen Wochen geschehen. Wenn diese Gesellschaft in ein dunkles Zeitalter abgleitet, dann war’s das. Und zwar für eine lange Zeit. Wir sind zuweit fortgeschritten, als das wir nochmals zurück gehen und von vorne beginnen könnten.
  • Ein Aufbau kann höchstens auf begrenztem Gebiet stattfinden, auf einem technischen Stand der weit unter unserer Vorstellungskraft liegt. Sofern man noch Ressourcen aus unserem jetzigen System aufbrauchen kann, mag es noch halbwegs vorstellbar sein. Aber wenn die letzte Glühbirne, der letzte Tropfen Diesel und die letzte Solarzelle ihren Weg alles irdischen gegangen sind: dann sollten wir nicht damit rechnen, dass jemals wieder ein Supermarkt eröffnen wird. Diese Zeiten sind dann ein für alle Mal vorbei.
  • Es gibt – überspitzt formuliert – nur zwei Möglichkeiten: entweder das System bleibt uns noch lange erhalten, dann brauche ich mich wirklich nur auf kurzfristige Störungen vorbereiten. Oder: das System kollabiert auf globaler Ebene, sei es durch die Abwesenheit des leicht förderbaren Erdöls, einen nuklearen Schlagabtausch oder ein Carrington-Event. Dann brauche ich vor allem eine Langfrist-Vorsorge, die weit über das Horten von einigen Kartons Notnahrung, 20 Konservendosen, 100 Liter Diesel und zwei Wasserfilter hinausgeht. Dann muss ich mich wieder mit den Techniken unserer Vorfahren beschäftigen, wenn ich nicht verhungern will. Und all das ist immer noch keine Garantie, dass man solch ein Szenario heil übersteht.

 

Ich kann der reinen Kurzzeit-Krisenvorsoge  daher nicht allzuviel abgewinnen. Dafür habe ich schon zu viele Informationen gesammelt, über unsere derzeitige Lage. Mir ging es in meinen Publikationen schon immer darum, wie man möglichst autark und unabhängig von einem Vollversorgungssystem sein Leben fristen kann. Ohne Erdöl und ohne Saatgut aus dem Landwirtschaftshandel. Mein Ziel war und ist es zu zeigen, wie sich unsere Vorfahren mehr schlecht als recht durch schwere Zeiten schlugen. Ich hoffte, dass meine Intention verstanden würde. Und einige wenige sehen das sicher ähnlich wie ich. Aber ich glaube, die Sache ist für die meisten Menschen viel zu groß um sie voll zu erfassen. Der Normalbürger hält die Vorbereitung auf eine Woche Stromausfall schon für absolute Spinnerei. Und dann kommen ein paar andere und ich um die Ecke, und erzählen, dass dieses System eines Tages kollabieren wird… es kein Erdöl mehr geben wird, keinen Strom, keinen Supermarkt und keine Hilfsorganisationen die Nahrungsmittel, Tee und warme Decken verteilen. Ich behaupte, für 99,5% der Menschen ist dieses Szenario unglaublich, absolut unwahrscheinlich, einfach nicht vorstellbar.

Die meisten wollen erst gar nichts von dem Thema hören1, oder man will sich nur auf kurzfristige Ereignisse einstellen, in der Hoffnung, dass danach alles so weitergehen wird wie vorher.  Welch Irrglaube! – Und es wäre jetzt, in diesem System wirklich so einfach – im Vergleich zu früher – eine widerstandsfähige, kleinräumige Technik aufzubauen, die vielen äußeren Gefahren trotzen kann.

Und wisst ihr, was die größte Ironie an der Sache ist?

Wenn sich eines Tages die Erkenntnis Bahn bricht, dass es keinen Wiederaufbau mehr geben wird, und  tatsächlich die Gefahr eines Totalkollapses besteht: dann ist es zu spät sich vorzubereiten. Dann ist dieses Wissen unserer Vorfahren ein für alle Mal verloren und unzugänglich. Die Zeit ist dann abgelaufen.

Dann wurde – wieder einmal – eine für die Menschheit historische Gelegenheit verpasst, den Aufprall für alle abzufedern.


 

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Fußnoten:

  1. Der Großteil der Menschheit denkt weder an Krise, neue Eiszeit, Peak-Energie, Weltkrieg, Atomunfälle, Pandemien oder Stromnetz-Kollaps. Diese Gedanken sind schlicht und ergreifend bei der Mehrheit einfach abwesend. Und genau das wird das große Problem werden. Weil ein solches Szenario wie ein Schlag in die Magengrube kommen wird.

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