Das deflationäre Szenario des Ölpreises

Komplexe Sachverhalte erfordern komplexe Lösungen und Betrachtungsweisen. Klimatische Gegebenheiten auf der Erde sind sowohl mit der finanziellen Situation, wie auch mit der energetischen Seite eng verwoben. Es sind sich gegenseitig beeinflussende Systeme die nicht isoliert betrachtet werden können. Im Rahmen dieses Blogs können wir jedoch nur Einzelaspekte herausgreifen und auch nur sehr vereinfacht darstellen, um uns dem Gesamtbild und möglichen zukünftigen Entwicklungen anzunähern.

Wir erwähnten bereits das Peak-Oil-Szenario mit dem Hinweis auf das sog. Etp-Modell der Hills-Group.

Die Hills-Group geht bei ihrem Szenario von einem ständig sinkenden Ölpreis aus, im Gegensatz zur herkömmlich vertretenen Meinung bezüglich des immer knapper werdenden leicht erntbaren Öls (nach deren Auffassung müsste der Ölpreis stark ansteigen).

Ich hatte dieses Szenario auch in dem letzten Beitrag kurz angerissen: man kann diese Wirtschaft nicht in eine Planwirtschaft umwandeln oder anfangen den Ölverbrauch drastisch zu drosseln – dies würde dem Finanzsystem (der Wirtschaft) sofort den Todesstoß versetzen. Es handelt sich bei der Bildung des Ölpreises um ein sich gegenseitig beeinflussendes System von Angebot, Nachfrage, Subventionen, politischen Entscheidungen, externen Faktoren wie Krisen und Kriegen, usw.

Ein zu hoher Ölpreis würde das Wirtschaftswachstum abwürgen und auf anderen Gebieten für Krisen sorgen (Kreditausfälle etc.). Ein zu niedriger Ölpreis trägt nicht mehr zum wirtschaftlichen Wachstum bei. Der Rohölpreis kann deshalb nicht beliebig steigen oder fallen. Außerhalb eines gewissen Rahmens würde er erheblichen Schaden in der Wirtschaft anrichten.

Ein praktisch brauchbares Modell der zukünftigen Preisentwicklung schlägt das Modell der Hills Group vor, das wir leicht auf seine Tauglichkeit überprüfen können:

 

 

Die Ableitung des Modells kann hier eingesehen werden, und geht auf historische Betrachtungen des Ölpreises seit 1960 zurück:

http://www.thehillsgroup.org/depletion2_022.htm

Ich möchte mir nicht anmaßen, diese Herleitung vollständig zu verstehen und möchte daher nur einen Kernsatz herausgreifen:

»The Maximum Consumer Price curve is curtailed at 2020 at $11.76/ barrel. At this point petroleum will no longer be acting as a significant energy source for the economy. «

(»Der maximal erschwingliche Preis für Konsumenten endet 2020 bei 11,76 USD/barrel Rohöl. Ab diesem Zeitpunkt wird Rohöl nicht länger als signifikante Energiequelle für die Wirtschaft zur Verfügung stehen.«)

Eine grafische Darstellung des Modells müsste dann so aussehen:

(Download)

Die rote Linie stellt den »Maximal erschwinglichen Preis« (M.A.P.) für den Verbraucher dar, unten seht ihr eine Zeitachse bis Ende 2020 und links den Ölpreis pro Barrel (WTI) in USD. Begonnen habe ich mit der KW39.

Sollte sich das Modell bewahrheiten, müsste sich der Ölpreis immer unterhalb der roten Linie aufhalten. Anhand dieser Tabelle können wir die Probe auf’s Exempel machen, und wöchentlich den Ölpreis eintragen. In diesem Artikel werde ich wöchentlich das oben stehende Bild mit den Preisangaben aktualisieren.

Ich zitiere folgendes zur Erklärung des maximal erschwinglichen Preises:

»Der „bezahlbare Preis“ ist der maximal mögliche Zugewinn an BIP, welchen ein Barrel Öl für die Produktion von Gütern und Dienstleistungen zur Verfügung stellt. Angebot und Nachfrage spielen also keine Rolle für diese Preisobergrenze.« (Quelle)

Die Hills-Group:

»The ETP derived Cost Curve is constructed from the ETP model, and has mapped the price of petroleum since 1960 with a correlation coefficient of 0.965. It is the most accurate pricing model that has ever been developed.«

 

Meiner Ansicht nach würde dieses Modell auch folgendes bedeuten:

  1. Wir sehen zukünftig (momentan) eine starke deflationäre Tendenz, sowohl beim Rohölpreis als auch in der Weltwirtschaft (als Ursache-Wirkungs-System, welches sich gegenseitig beeinflusst).
  2. Die Erdölproduzenten sind zwangsläufig auf billiges, leicht erntbares Erdöl angewiesen. Infolgedessen sollten in nächster Zeit energetisch unrentable/unergiebige Ölquellen fortfallen.
  3. Frackinganlagen sind ein reines Subventionsmodell, dass noch nie rentabel war, und könnten in nächster Zeit als platzende Investitionsblase verschwinden (siehe auch: »Why The Shale Oil „Miracle“ Is Becoming A Debacle«). Dadurch wieder neue Wirtschaftskrise => weiter sinkende Ölnachfrage => deflationäre Abwärtsspirale.
  4. Es wird aufgrund dieser Tendenzen immer weniger Energie in Erkundung neuer Ölquellen investiert und die Investitionen in die Erprobung neuer Fördertechniken werden nicht getätigt.
  5. Trotz sinkender Preise und scheinbarem Überfluss an Öl ist dieses Szenario ein Hinweis auf den Niedergang und Zerfall der Erdölindustrie (und der Weltwirtschaft).
  6. Steigende Ölpreise als Beweis für ein Peak-Oil-Szenario sind ein Mythos. Wir könnten bis zuletzt sinkende Rohölpreise sehen. Ein Preis an der Tankstelle ist nicht aussagekräftig genug um daraus ein Peak-Oil-Geschehen abzuleiten.

 

Die Sache ist komplex, und allerhand Experten vertreten eigene Modelle.

In diesem Artikel sollte es nur darum gehen, das ETP-Modell auf seine Tauglichkeit in der Praxis zu untersuchen: Sehen wir in den kommenden Monaten Preise über der roten Linie, so können wir das Modell verwerfen. Bleiben wir unter der Linie, wird es interessant, wie sich die Sache bis 2020 entwickeln wird, und welche Auswirkungen dieses streng deflationäre Umfeld haben wird.

 

Einen umfangreicheren Artikel zu dieser »Deflations-Problematik« des Ölpreises findet ihr bei Gail Tverberg:

Why Oil Prices Can’t Bounce Very High; Expect Deflation Instead

»If we look back at what happened historically, there have been many situations in which economies have collapsed. In fact, this is probably what we should expect as we approach limits, rather than expecting high oil prices. If collapse should take place, we should expect widespread debt defaults and major problems with the financial system.«

(»Wenn wir in die Geschichte zurückblicken, sehen wir viele Situationen, die zum Zusammenbruch von Wirtschaftssystemen führten. Tatsächlich ist es eher das, was wir erwarten sollten, wenn wir uns den Grenzen (unseres Systems) nähern, als das wir hohe Ölpreise sehen werden. Falls der Zusammenbruch stattfinden sollte, sollten wir umfangreiche Kreditausfälle und erhebliche Probleme des Finanzsystem sehen.«)

Update, immer Ende der KW:

KW40: 49,230 USD

KW41: 51,06 USD

KW42: 51,54 USD

KW43: 53,70 USD

KW44: 55,69 USD – Linie des Modells durchbrochen

KW45: 57,10 USD – Oberhalb der Linie des Modells

 

 

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