Naturkatastrophen sind Wertevernichter

Naturkatastrophen, Kriege und sonstige Schadensereignisse gelten gerne als Wachstumsmotor für die Wirtschaft. Schließlich muss zerstörtes Eigentum ersetzt werden: Häuser sind kaputt, die Waschmaschine abgesoffen und das Auto – von herabfallenden Ziegelsteinen demoliert – ist ein Totalschaden und muss neu gekauft werden. So die Argumentation von studierten Wirtschaftsprofessoren und ihren Jüngern.

Nach dem Hagelschlag – für frühere Generationen bedeuteten Naturkatastrophen Hunger und Verzweiflung.

Diese Sicht auf die Dinge mag gelten, in einem System, in dem der strukturelle Aufbau relativ zügig wieder erfolgen kann. Dies funktioniert aber nur in einem kreditbasierten Finanzsystem und mit einer großen Menge an Energieüberschuss aus fossilen Energieträgern (beides bedingt sich). Für einen Menschen um 1850 hätte die Zerstörung seines armseligen Besitztumes und seines Hauses den finanziellen Ruin oder gar den Hungertod bedeutet. Für ihn wäre es unvorstellbar gewesen, innerhalb von acht Wochen nach dem Unglück eine neue Unterkunft mit Heizung und Einbauküche beziehen zu können, und Essensmarken zu erhalten. Das ist einer der Vorteile dieses heutigen Systems. Aber gleichzeitig wird es auch seinen Niedergang beschleunigen. Es gibt eben nichts umsonst auf diesem Planeten – heutiger Komfort wird mit dem Hunger von morgen erkauft.1

Kurzfristig fachen Naturkatastrophen tatsächlich die Wirtschaft an. Aber auf lange Sicht gesehen sind solche Ereignisse keineswegs als positiv zu bewerten:

 

 

Sie steigern vor allem die Nachfrage nach Energieträgern und Rohstoffen. Der Wiederaufbau kostet erhebliche Mengen an Energie, die für die Produktion neuer Güter benötigt wird. Energetisch betrachtet ist es natürlich wesentlich sinnvoller, ein altes Auto lange zu fahren oder ein bereits gebautes Haus zu bewohnen. Eine Neuproduktion all dieser Güter schmälert den Vorrat an leicht erntbaren Ressourcen, die dann für andere Zwecke nicht mehr zur Verfügung stehen. Ich kann in Naturkatastrophen oder kriegerischen Zerstörungen also nichts gutes erkennen, weder für die Wirtschaft noch für die Gesellschaft. Letztendlich sorgen solche Katastrophen dafür, dass immer mehr Güter für immer mehr Menschen wirtschaftlich unerschwinglich werden.

Unwetter, Erdbeben, Tsunamis, Hagelstürme, Flutwellen, Hurrikane, Taifune, Kältewellen, Vulkanausbrüche, Kriege, Atomunfälle: all das vernichtet Werte, zerstört und zerstreut Hab und Gut auf Nimmerwiedersehen. Nicht nur langlebige Güter werden davon zusehends in Mitleidenschaft gezogen. In Zukunft wird uns vielleicht die Vernichtung von Ernten und damit Entzug von Nahrungsmitteln schmerzlicher erscheinen, als der Verlust eines Flachbildfernsehers…

Heute schon müssen Zivilisationen mit hohem energetischen Einsatz der natürlichen Entropie, dem Zerfall, entgegenwirken. Eine langsam zerbröckelnde Straße auf 1000 Kilometern zu flicken und zu reparieren ist schon eine große Herausforderung, energetisch wie finanziell. Um die gleiche Straße nach einer Zerstörung 1000 km komplett neu zu bauen, ist ein Vielfaches an Energie nötig. Warum soll das Flicken genannter Straße im alltäglichen Politikersprech »Unsummen von Geld verschlingen«, während die gleichen Politiker bei anderer Gelegenheit nach einer Naturkatastrophe oder einem Krieg behaupten: »Kein Problem Leute. Das ist kein Schaden. Solch ein Wiederaufbau sorgt für Wirtschaftswachstum!« – Das ist schizophren.

Wir können jedenfalls nur eines feststellen: Der Welt-Energiebedarf durch solche Ereignisse wächst erstens durch die Bereitstellung von Ersatzgütern und den Wiederaufbau, und zweitens, müssen die gewährten Aufbau-Kredite wieder mit Zins zurückgezahlt werden. Es muss von den Kreditnehmern ein Mehrwert erwirtschaftet werden, was wiederum nur durch weitere Ausbeutung von natürlichen Ressourcen usw. geschehen kann. Dies ist ein sich selbst beschleunigender Kreislauf.

Man könnte durchaus sagen: Solche Ereignisse machen der Wirtschaft Beine. Eine lahmende Wirtschaft fängt wieder an, gut zu laufen. Doch leider – in Richtung Abgrund!

Das kommende große solare Minimum wird aufgrund seiner extremen Einflüsse auf das Wettergeschehen genau das tun: eine Menge Werte vernichten und die Lage auf dem ohnehin angespannten finanziellen Sektor zunächst kurzfristig verbessern (gestiegene Kreditnachfrage!), und dann zum Totalkollaps des Systems führen. Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit, und zwar global.

Es spielt letztlich keine Rolle für das zivilisatorische System, ob es eine neue Eiszeit geben wird. Der Finanzkollaps und das Ende des Öls kommt auch ganz von alleine. Aber die klimatischen Veränderungen werden der Brandbeschleuniger sein und die Krisenlage auf eine nie gekannte, globale Stufe heben. Wir werden eine Kaskade an unglücklichen Ereignissen sehen, die kein jetzt lebender Mensch jemals gesehen hat.
Kälte, wenig bezahlbare Energie und Hunger zur gleichen Zeit in der gesamten Nordhemisphäre sind ein problematisches Gemisch – insbesondere wenn sich herum spricht, dass es sowas wie einen Aufbau nicht mehr geben wird. Nie wieder. Denn woher sollen plötzlich die großen Energiemengen kommen, die man 100 Jahre lang bis zum letzten Tropfen aus dem Boden gepresst hat? Meint man, dass man wieder das Spiel mit der Ausbeutung von Erdöl und Kohleflözen von vorne beginnen kann? Dass man wieder eine florierende Wirtschaft mit DAX und DowJones aufbauen kann?

Ich wäre verdammt sparsam mit solchen ‚positiven‘ Gedanken!

Wenn es kracht, dann final.


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Fußnoten:

  1. Dieses Verhalten ist ein Grundprinzip von Lebewesen: leicht erhältliche Ressourcen werden im Hier und Jetzt genutzt, solange sie verfügbar sind. Sparen, Einteilen und Teilen mit anderen wird nur sehr selten praktiziert. Man frisst, was man kriegen kann um sein eigenes Überleben im Jetzt zu sichern. Es ist verwunderlich, warum einige immer noch an den Menschen appellieren, er solle bei seinem Ressourcenverbrauch bitte an nachfolgende Generationen denken. Der Mensch denkt heute nicht einmal an seinen Mitmenschen fünf Häuser weiter, und kümmert sich in der Regel auch nicht um hungernde Bettler in der Bahnhofsunterführung, an denen er täglich vorbei hastet. Und da ruft man auf, sich um imaginäre Nachfolgegenerationen zu sorgen? – Diesen Appell kann man sich sparen. Er ist wirkungslos.

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