Das Aufmerksamkeits-Paradoxon

Ist euch schon einmal aufgefallen, dass belanglose Meldungen eine hohe Aufmerksamkeit erregen, während die wirklich wichtigen Dinge kaum Beachtung finden?

Die meisten Meldungen haben keinen praktischen Mehrwert für das persönliche Leben. Sie haben meistens auch wenig direkten Einfluss auf unser Umfeld.

Das ist natürlich nicht immer so, aber ein gewisser Trend ist schon zu beobachten.

Die Medien sind voll von unnützen Meldungen dieser Art. Boulevard-Magazine und Nachrichtenportale aller Art schöpfen daraus ihr einziges Kapital:

 

Je unwichtiger ein Ereignis ist, desto mehr Wirbel wird gemacht.

Besonders auffällig ist das beim Starkult: man kennt diese Menschen in der Regel nicht persönlich. Man hat sie noch nie zu Gesicht bekommen. Man kennt nur ihre Fassade, so wie sie uns präsentiert wird. Als Folge dieser Verzerrung werden allerhand »übermenschliche« Eigenschaften in diese Personen hineininterpretiert: in Prinzenpaare, Fußballspieler, Milliardäre, Musikstars, Societyladies und Schauspieler. Man glaubt sogar, sie persönlich zu kennen, nur weil man diese Menschen gelegentlich im Fernsehen sieht. Man wird diese Personen niemals persönlich treffen. Und trotzdem erregen sie ein unheimliches Interesse. Man kümmert sich nicht mehr um seinen eigenen Arsch, sondern um den von Kim Kardashian. Und wenn Robert Redford über die Klimaerwärmung durch den Menschen spricht, so kauft man ihm das ab. Er ist ja sooo nett und doch so männlich, der Herr Pferdeflüsterer! Wenn ein kleiner, bebrillter Klimaforscher (mit Halbglatze, stotternd und mit Fistelstimme) eine 68-seitige Studie vorstellt, die das Gegenteil aussagt, interessiert das allerdings niemanden.

Genauso ist es mit Erfindungen: das meiste, was wir in den Medien als »bahnbrechende Neuerung« präsentiert bekommen, ist uralt, schon mal dagewesen und lediglich marginal verbessert (das E-Auto z.B.). Man konstruiert einen Hype, der gar nicht gerechtfertigt ist. Andererseits las man in den großen Tageszeitungen von 1993 wahrscheinlich nichts von der Erfindung des Internets, diesem Fakt maß man offensichtlich wenig praktische Bedeutung bei.

Meldungen die kaum einen Einfluss auf das persönliche Leben haben, finden die meisten unheimlich wichtig. Terroranschläge zum Beispiel. Gebannt verfolgt man stundenlang die Sondermeldungen und eilig einberufenen Krisengespräche irgendwelcher Anzugträger. Und die anschließenden Talkshows: »Schon wieder 12 Terroropfer. Geht jetzt die westliche Welt unter? – Anne Will und ihre Gäste erzählen zwei Stunden sinnlosen Müll. Jetzt einschalten!«
Dass die Gefahr grösser ist, auf dem Weg zum Einkaufen am Samstag von einer 32-jährigen Mutter umgefahren zu werden, die auf ihrem Smartphone tippt und gleichzeitig ihre zwei kleinen Kinder auf dem Rücksitz beruhigen will, ist den meisten unbegreiflich. Es findet eine völlig Warhnemungsverzerrung statt.

Temporäre Finanzkrisen erhalten gelegentliche Aufmerksamkeit, wenn die eigenen Aktien den Sinkflug antreten. Die Hintergründe des Geldsystems1 interessieren aber niemanden. Es müsste genau andersherum sein: man sollte sich für die Ursachen anstatt die Wirkungen interessieren. Wir fixieren uns permanent auf die Behebung der Symptome. Zu komplexer Hinterfragung fehlt uns wohl die Muße.

Flüchtlingskrise. Hier genauso: drastische Überhöhung. Gut besuchte Webportale leben davon, jeden Flüchtlingsfurz live und in Farbe zu berichten: Der Untergang naht. Sie überrennen uns, mordend und brandschatzend. Es gibt gesellschaftliche Probleme, keine Frage! Aber wir müssen den Dingen die richtige Bedeutung zumessen. Und wir sollten uns fragen, wie real die angebliche Gefahr überhaupt ist – oder ob wir für dumm verkauft werden von denen, die politisches Kapital daraus schlagen.

Die Menschen interessieren sich auch mehr für Tech-Milliardäre aus den USA, die ihren Aktionären Luftnummern verkaufen, als für den Landwirt nebenan, der dafür sorgt, dass immer Essen in den Regalen steht.

Und am meisten Aufmerksamkeit erhalten komischerweise »Dinge«, die gar keine sind: Staat, Gott, Himmel, Hölle, Paradies, verstorbene Verwandte, Engel, Geister, Dämonen, Teufel. Diese Dinge sind nur gedankliche Konstrukte, die ihre Ausformung alleine dadurch erhalten, dass viele Menschen an ihre Existenz glauben, darüber reden und schreiben…

 

Wichtige Themen erhalten wenig Aufmerksamkeit

 

Peak-Oil und der ERoEI2 unserer Energieträger interessiert auch niemanden. Das billige und leicht förderbare Öl geht aus, die Party ist bald vorbei. Es interessiert aber niemanden: Lass uns schnell noch Promi-Big-Brother anschauen und noch ein bisschen Asia-Schrott bei amazon bestellen, bevor das Öl ausgeht und der Strom weg ist!

Es könnte eine klimatische Katastrophe in Form eines neuen solaren Minimums mit Unwettern, Erdbeben, Missernten, Hungersnöten und Seuchen kommen. So, wie sich die Sache wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte3 zieht, ist das überhaupt nicht abwegig. Es interessiert nur niemanden. Leben diese Menschen auf einem anderen Planeten oder so? Glaubt man, dass man schon irgendwie durchkommen kann, weil der Aldi bisher immer was im Regal hatte und man sich bei einer neuen Seuche einfach beim Hausarzt ins Wartezimmer setzen kann? Glaubt man, dass man Geldscheine, Gold und Silber bei einer Hungersnot4 zum Mittagessen verspeisen kann?

Diese Dinge ignoriert man. Gerade diese Themen würden Aufmerksamkeit benötigen, weil viele der sich daraus ergebenden Probleme nur gesamtgesellschaftlich gelöst werden könnten – und weil man sich auch persönlich darauf vorbereiten kann!

Dagegen bekommen Themen wie Chemtrails, die Wiederkunft Jesu, Indigo-Kinder, Deutsches Reich, der kommende Kaiser, Lichtnahrung, Wunderheilungen, Zeitreisende, Germanische Medizin und Prä-Astronautik eine Menge Klicks, zumindestens im »alternativen Spektrum«. (Was uns zur Annahme führt, dass auch hier exakt der gleiche Mechanismus wie in den Massenmedien wirkt.)

Je absurder, je schriller, je schwachsinniger: desto mehr Aufmerksamkeit wird erzeugt.

 


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Fußnoten:

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Debitismus
  2. http://limitstogrowth.de/eroei/
  3. Wolfgang Behringer – Kulturgeschichte des Klimas
  4. http://eiszeit2030.de/2017/08/13/klima-und-der-dreissigjaehrige-krieg/

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