Planbarkeit ist Stabilität

Die Stabilität einer Gesellschaft hängt von der Planbarkeit der Ereignisse ab.

Es ist vergleichbar mit dem Stromnetz, welches mit geringsten Abweichungen auf 50 Hertz Netzfrequenz eingeregelt werden muss. Wird kurzfristig mehr Strom dem Netz entnommen, muss mehr Strom eingespeist werden. Wird weniger Strom durch die Verbraucher entnommen, muss man die Einspeisung drosseln. Dies funktioniert, weil gewisse Ereignisse recht genau planbar sind: beim Endspiel der WM wird ziemlich genau 30-60 Sekunden nach Ende der 1. Halbzeit die Stromentnahme steigen: man geht auf’s Klo (macht Licht an), die Kühlschränke werden geöffnet und nochmal eine Pizza in den Elektroofen geschoben. All das wissen die Netzbetreiber. Es ist geplant, vorausberechenbar und deshalb handhabbar.

Diese Planbarkeit sorgt für Stabilität und wenig Unterbrechungen im herkömmlichen Ablauf.

Systeme scheitern am Eintreten ungeplanter Ereignisse, und besonders dann, wenn mehrere davon als Komplex – also zusammen – auftreten. Dann kollabieren Systeme in windeseile.

 

 

Deshalb nur ein Beispiel zur Verdeutlichung:

 

Seuchen.

Die Krankenhäuser sind hierzulande recht ordentlich aufgestellt, im Vergleich zu anderen Ländern. Aber nur, weil die Ereignisse planbar sind, und man weiß: soundsoviel Leute kommen im Durchschnitt mit einer Lungenentzündung, einer Schwangerschaft und einem gebrochenen Bein ins Krankenhaus. Sollten doch einmal lokale Engpässe eintreten, kann man Patienten in ein benachbartes Krankenhaus verlegen. Problematisch wird es dann, wenn eine Epidemie oder Pandemie ausbricht, und plötzlich die vierfache Menge an Menschen behandelt werden möchte. Das funktioniert nicht, und man müsste sofort Turnhallen usw. als Lazarett umrüsten. Ein solches Szenario mag noch als Einzelereignis auf der Tagesordnung bei Hilfskräften stehen, und ist einem sonst stabilen Umfeld beherrschbar. Wenn dann zusätzlich noch Großschadensereignisse auftreten, und ein Stromausfall, dann wird die Sache unbeherrschbar.

Ein weiteres Problem besteht dann in der Entsorgung der Leichen, falls es sich um eine Pandemie mit hoher Todesrate handelt. Krematorien und normale Friedhöfe sind nicht darauf ausgelegt, der Platzmangel ist heute schon ein Problem. Wenn in heutigen Zeiten 5-10 Beerdigungen in einer mittleren Kleinstadt in der Woche zu beerdigen sind, so könnten es in solchen Zeiten schnell 1000 oder 3000 Tote pro Woche geben. Es bleiben also nur Massengräber, mit viel Branntkalk, die man auf einer Brachfläche anlegen muss. (Wir müssen ja daran denken, dass eine solche Pandemie in den letzten 100 Jahren nicht mehr stattfand, und heute die Leute etwas zimperlich geworden sind, was mit ihren sterblichen Überresten geschieht. 1918 bei der spanischen Grippe war man da etwas robuster vom Gemüt.)

 

Gefährlich ist der Komplex.

Da wir in der kommenden Eiszeit von einem Geschehenskomplex ausgehen müssen – Kälte, Stromausfälle, Vulkanausbrüche, Missernten, Seuchen, Hunger, Erdbeben, Unwetter und das ggf. zusammen – sollte man nicht dem Irrglauben unterliegen, dass Behörden oder das Militär uns irgendwie helfen können. Die heutige Bevölkerung hat sich eine Unselbständigkeit angewöhnt, die kaum glaubhaft erscheint. Wir sind es ja nicht anders gewöhnt: wenn es brennt, kommt die Freiwillige Feuerwehr. Wenn ich überfallen werde, rufe ich die Polizei um Hilfe. Doch dies funktioniert nur in einem sonst stabilen Umfeld. Die Feuerwehr kann auch alle zwei Tage einen Brand löschen. Aber wenn es an mehreren Stellen gleichzeitig brennt, und das in vielen Orten – was dann? Mit allen Behörden ist das so, niemand kann und wird überall sein. Wir werden in diesen Zeiten auf uns alleine gestellt sein.

Und jetzt toppen wir das noch, in dem wir einen großflächigen, langanhaltenden Stromausfall, eine tödliche Grippepandemie und große Kälte im Januar als Komplex betrachten. Das sind Ereignisse, die niemand auf dem Radar hat. Zu düster, unwahrscheinlich, Spinnerei. Ja, vielleicht. Aber ich kann Geschichtsbücher lesen, und nachsehen wie es vor 200 oder 400 Jahren war. Und dass diese Ereignisse in schöner Regelmäßigkeit auftreten. Und dann kann ich mir meinen Teil dazu denken, und meine Schlüsse daraus ziehen. Dieser Schluss heißt:

Dieses System ist solange stabil, wie alles geplant und berechnet werden kann. Kommt noch ein unvorhergesehenes Ereignis dazu, kollabieren alle geplanten Abläufe.

Das heutige System ist auf seine computergesteuerte, digitale Präzision äußerst stolz. Alles funktioniert wie am Schnürchen. Diese Präzision kann sich aber im Krisenfall als Fußfessel erweisen, als verschärfender Faktor – nicht als Hilfe. Weil man sich auf seine Funktionsfähigkeit und jederzeitige Verfügbarkeit verlässt.

 

110 – kein Anschluss unter dieser Nummer…

Kommen unvorhergesehene Ereignisse, und die auch noch in doppelter Hinsicht, dann ist es aus und vorbei mit externer Hilfe.

Niemand wird kommen, um dich zu retten. Keine Hilfsorganisation, kein Rotes Kreuz, kein Militär, keine Polizei, keine WHO. Die haben dann anderes zu tun. Dann brennt es überall auf der Welt, und jeder muss seine Probleme in den Griff bekommen. Alle diese Organisationen werden von Menschen am Leben erhalten, die das machen, wenn das eigene familiäre Umfeld stabil ist. Man sollte nicht erwarten, dass diese Menschen dann ihre eigenen Kinder im Stich lassen um beliebigen unbekannten Personen zu helfen. In der Not ist sich jeder selbst der nächste, und alle diese Einrichtungen werden schneller zerfallen, als ihr euch heute ausdenken könnt.

Auf ein solches Szenario sollte sich jeder klar denkende Mensch vorbereiten, genauso wie man eine Versicherung abschließt. Nicht weil man fest davon überzeugt ist, dass morgen ein Unglück geschieht. Sondern, dass es geschehen könnte.

Und hier haben wir es mit einem kommenden Ereignis zu tun, dass sogar sehr wahrscheinlich eintreten wird.

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